ICH, ELEANOR OLIPHANT. GAIL HONEYMAN.

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INFOS

Erschienen: 24/04/17
Verlag: Bastei Lübbe
Seitenzahl: 528
ISBN: 978-3431039788
Preis: 20,00€ [D]

ZUR AUTORIN

Gail Honeyman lebt und arbeitet in Glasgow. Sie bekam bereits mehrere Preise für ihr Schreiben. Ich, Eleanor Oliphant ist ihr erster Roman.

INHALT

Eleanor führt ein eintöniges, beinahe farbloses Leben. Tag für Tag gibt sie sich den selben Routinen hin, erledigt ihre Pflichten und geht schließlich einsam zu Bett.

Bis sie eines Tages ihrer große Liebe begegnet, dem Traummann schlechthin. Auf so einen hat sie ihr Leben lang gewartet. Und mit der Liebe ändern sich die Dinge. Kleinigkeiten gewinnen an Relevanz, Prioritäten verschieben sich und Routinen werden aufgebrochen.

Ihrem Traummann zu Liebe kriecht Eleanor allmählich aus ihrem Schneckenhaus und entdeckt so die Wunder des Alltags.

MEINUNG

Nachdem ich mich wahnsinnig auf das Buch gefreut hatte, gestaltete sich der Einstieg in die Lektüre zunächst schwieriger als gedacht. Eleanor ist keine einfache Protagonistin, was heißen soll: Sie ist recht eigen, schottet sich von ihrer Umwelt ab und lebt in ihrer eigenen kleinen Welt. Doch das sollte mich nicht stören.

Ihre Art des Umgangs mit anderen Menschen allerdings war für mich schwer nachvollziehbar. Ebenso lassen auch ihre Gedankengänge auf eine emotionale Kälte schließen, die ich zunächst als sehr unangenehm empfand. Im Verlauf der Geschichte fiel es mir schließlich zunehmend einfacher mich auf Eleanor einzulassen, nicht sofort über sie zu urteilen, nicht in ihre Art des Denkens zu verfallen.

Im Handlungsverlauf lernt man Eleanors positiven Seiten kennen, ihre verletzlichen Seiten und immer mit im Boot: die Schattenseiten ihrer Vergangenheit.

Während Eleanor beschlossen hat sich von der Welt abzuschotten, den Menschen fernzubleiben und ihr Leben in Einsamkeit zu führen, ist es schließlich die Liebe, die ihr neue Spielräume eröffnet. Zaghaft lässt Eleanor sich auf das Leben und die Menschen ein und erfährt, dass das Schöne überall ist – man muss nur die Augen offen halten. Das Leben ist jedoch nicht nur voller Glück, sondern ebenso voller Rückschläge. Und genau diese sind es, die Eleanor zu schaffen machen, sodass gute Tage jederzeit in schlechte zu kippen drohen.

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Als Leser ist man immer an Eleanors Seite. So erlebt man im Verlauf des Buches eine Charakterentwicklung die ihresgleichen sucht. Die Geschichte regt zum Nachdenken an und ist teilweise doch recht bedrückend. Dessen ungeachtet wurden von der Autorin einige amüsante Stellen eingestreut, zu denen nicht nur Eleanor ihren Beitrag leistet.

Gail Honeyman überzeugt mit einer Geschichte in der soviel Herz wie Verstand steckt, ebenso wie mit einem angenehm flüssigen Schreibstil.

Ich, Eleanor Oliphant ist ein ganz wunderbares Debüt einer Autorin, von der wir hoffentlich noch einiges zu lesen bekommen werden.

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LANZ. FLURIN JECKER.

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INFOS

Erschienen: 20/02/17
Verlag: Nagel & Kimche
Seitenzahl: 128
ISBN: 978-3312010226
Preis: 18,00€ [D]

ÜBER DEN AUTOR

Flurin Jecker, 1990 in Bern geboren, studierte Biologie, bevor er 2013 das Studium in Literarischem Schreiben am Schweizerischen Literaturinstitut in Biel begann. Während seiner Studienjahre schrieb er einen Blog.

Lanz ist Flurin Jeckers Abschlussarbeit am Literaturinstitut und auch zugleich sein erster Roman. Er arbeitet als selbständiger Journalist bei der Berner Tageszeitung Der Bund und als Velokurier.

Quelle: Hanser

INHALT

Eigentlich hatte Lanz die Projektwoche ganz anders geplant. Er wollte seiner großen Liebe Lynn ein Stück näher kommen, mit ihr im selben Seminar sitzen, sie für sich gewinnen.

Nur aus diesem Grund hat er sich für den Blogger-Kurs angemeldet. Nur aus diesem Grund gleicht seine Projektwoche nun einer Schulwoche. Nur aus diesem Grund muss er eine weitere Woche lang Herr Gilgens Geschwätz ertragen.

Und dann taucht Lynn noch nicht einmal auf.

Doch das Schreiben setzt bei Lanz einen Prozess in Gang. Er schreibt sich seine Gedanken, Gefühle und Erlebnisse von der Seele und befreit sich vom Ballast des Alltags.

MEINUNG

In Lanz begleiten wir einen 14-jährigen Jungen 5 Tage lang durch seinen Alltag und seine Gedankenwelt. Als Leser ist man Teil seines Lebens, ein stiller Leser seiner Blogeinträge (die vermutlich kein anderer zu lesen bekommen wird), und rückt Lanz entsprechend Stück für Stück ein bisschen näher.

Flurin Jecker lässt uns teilhaben an den Stimmungen, den Hochs und Tiefs des Alltags eines Jugendlichen und offenbart, welche Schwere bereits auf einer jungen Seele lastet.

Während Lanz nach außen hin kühl und abgeklärt wirkt, brodelt es unter der Oberfläche. Er ist verliebt in Lynn, enttäuscht von seinen Eltern, sehnt sich nach Zuneigung und Anerkennung und bekommt zumeist das Gegenteil.

Auf der Suche nach der eigenen Identität bieten die Blogeinträge Lanz eine Gelegenheit zu sich selbst zu finden – sich auszusprechen ohne den sozialen Rahmen. Beim Schreiben wird sich Lanz schließlich der Macht gewahr, die er über sein eigenes Leben hat. Er begreift, dass er nicht nur Produkt ist, sondern Produzent. Und plötzlich scheint die Welt nicht mehr ganz so trüb, denn das Schicksal liegt in seiner Hand. Ein schmales Buch, das doch einige Wahrheiten birgt.

Durch die gewählte Jugendsprache, die angelehnt ist an den Berner Dialekt, wirken die Blogeinträge besonders authentisch. Denn, wie Flurin Jecker kommt auch Lanz aus einem Ort nahe Bern und so hat sich der Autor dazu entschieden seiner Heimat in der Sprache treu zu bleiben.

Lanz liest sich gut, regt zum Nachdenken an und versetzt einen beim Lesen um einige Jahre zurück. In eine Zeit, in der Liebeskummer noch das Ende der Welt zu sein schien. Das Buch kann ich gut

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WEITERE REZENSIONEN

Paper & Poetry 

Kill Monotony

 

DIE TERRANAUTEN. T.C. BOYLE.

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INFOS

Erschienen: 09/01/17
Verlag: Hanser
Seitenzahl: 608
ISBN: 978-3446253865
Preis: 26,00€ [D]

ZUM AUTOR

T. Coraghessan Boyle, 1948 in Peekskill, N.Y., geboren, unterrichtete an der University of Southern California in Los Angeles. Bei Hanser erschienen zuletzt Willkommen in Wellville (Roman, 1993), América (Roman, 1996), Riven Rock (Roman, 1998), Fleischeslust (Erzählungen, 1999), Ein Freund der Erde (Roman, 2001), Schluß mit cool (Erzählungen, 2002), Drop City (Roman, 2003), Dr. Sex (Roman, 2005), Talk Talk (Roman, 2006), Zähne und Klauen (Erzählungen, 2008), Die Frauen (Roman, 2009), Das wilde Kind (Erzählung, 2010), Wenn das Schlachten vorbei ist (Roman, 2012), San Miguel (Roman, 2013), die Neuübersetzung von Wassermusik (Roman, 2014), Hart auf hart (Roman, 2015), die Neuübersetzung von Grün ist die Hoffnung (Roman, 2016) und Die Terranauten (Roman, 2017).

Quelle: Hanser

INHALT

In dem Versuch das Leben auf der Erde nachzubilden, werden in den 90er Jahren vier Frauen und vier Männer in einem geschlossenen Ökosystem unter einer Glaskuppel untergebracht. Zwei Jahre lang darf Nichts rein und Nichts raus, so lautet die Devise. Doch was bedeutet das für die Insassen?

Beim Eintritt in die Ökosphäre 2 ist das gesamte Team bestens vorbereitet. Der Teamgeist war noch nie so stark und die Aufgaben eines jeden sind klar verteilt. Euphorie und Willensstärke versprechen nur Gutes, doch die Lebensbedingungen unter der Glaskuppel brechen selbst den fähigsten Wissenschaftler. Und so wird aus einem biologischen bald ein soziales Experiment.

MEINUNG

Die Terranauten war mein erster T.C. Boyle und nach dem Lesen kann ich sagen: Es wird nicht mein letzter bleiben.

In wechselnden Perspektiven schildert Boyle die Erlebnisse zu beiden Seiten der Glaswand. So bekommt man als Leser quasi panoptische Einblicke und ist zugleich hautnah an den Protagonisten. Schließlich verfügt ein jeder Terranaut über seine ganz eigene Wahrheit, die erzählt werden will.

Das Buch ist angelehnt an ein tatsächliches Projekt, das sich Biosphäre 2 nannte. Auch hier wollte man ein von der Erde unabhängiges ökologisches System schaffen. Was die Essenz des Buches jedoch ausmacht ist, dass sich das Experiment in eine (nicht völlig) unerwartete Richtung wendet.

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Ähnlich wie bei Big Brother erhalten wir als Leser Einblicke in die Folgen des Einschlusses von Menschen auf einem begrenzten Lebensraum. Während die gesamte Crew zu Anfang noch an einem Strang zieht, auch um Ruhm und Ehre willen, lassen sich menschliche Makel bald nicht mehr verbergen. Der schöne Schein des Lebens zu Gunsten einer höheren Erkenntnis bröckelt und der Egoismus eines jeden Einzelnen tritt zu Tage.

In ihrer Selbstgerechtigkeit urteilen die Terranauten der Mission 2 über ihre Vorgänger, über ein Schicksal das sie nicht erleiden mussten und scheinen ihnen dabei keinen Deut voraus. Doch die Presse und das Fernsehen berichten unermüdlich von den Ereignissen im Terrarium und bestärken die Terranauten in ihrer Eitelkeit, sodass sie sich ungeniert der Hybris hingeben können.

T.C. Boyle versteht es die Fehlbarkeit der Menschen zu illustrieren, ohne überzogene Bilder zu zeichnen. In einer beinahe sachlichen Art wird das Leben in der Ökosphäre geschildert, wobei ein jeder seine Sichtweise vertritt. Und am Ende bleibt die Erkenntnis, quasi das finale Urteil.

Wer bisher noch zögert, den kann ich nur darin bestärken zum Buch zu greifen.

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DIE LIEBE UNTER ALIENS. TERÉZIA MORA.

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Erschienen: 26/09/16
Verlag: Luchterhand
Seitenzahl: 272
ISBN: 978-3630873190
Preis: 22,00€ [D]

ZUR AUTORIN

Terézia Mora wurde 1971 in Sopron, Ungarn, geboren. Sie lebt seit 1990 in Berlin und gehört zu den wichtigsten deutschsprachigen Autoren. Für ihren Roman „Das Ungeheuer“ erhielt sie 2013 den Deutschen Buchpreis. Bereits 1999 sorgte sie mit ihrem literarischen Debüt, dem Erzählungsband „Seltsame Materie“, für Furore. Für diese Erzählungen wurde sie u.a. mit dem Ingeborg-Bachmann-Preis ausgezeichnet. Zuletzt erschien bei Luchterhand der Band „Nicht sterben“ mit ihren Frankfurter Poetikvorlesungen. Terézia Mora zählt außerdem zu den renommiertesten Übersetzern aus dem Ungarischen.

Quelle: Luchterhand

INHALT

Sie fühlen sich verloren. Sie fühlen sich einsam. Sie geben die Hoffnung nicht auf.

In Die Liebe unter Aliens erzählt Terézia Mora von zehn Personen, die unterschiedlicher nicht sein könnten und die doch eines verbindet: die Suche nach dem Zweck ihres Daseins, nach dem Halt in ihrem Leben.

Es sind die unterschiedlichsten Motive die die Protagonisten antreiben. Und so gehen sie ihrer Wege – fröhlich, strauchelnd, am Rande der Verzweiflung.

MEINUNG

Es ist schwer zu sagen, was ich von Terézia Moras Erzählband erwartete. Eines erwartete ich jedenfalls nicht:  dass er mich mit einer solchen Wucht treffen und fortreißen würde [direkten Weges hinein in die Schicksale anderer].

Entscheidend für die Tragweite der Erzählungen war hierbei vor allem der sprachliche Stil der Autorin. Die Sprache tritt hier als besonders kraftvoll auf und schöpft in ihrer Eigentümlichkeit die Charaktere bis auf ihren tiefsten Grund aus.

Die Erzählungen sind ebenso kurz wie eindrucksvoll, kein Leben gleicht dem anderen und so ist jede Geschichte unvorhersehbar und einzigartig. Die Schicksale der Protagonisten berühren, weil man ihnen so nahe kommt, dass man sich letztlich in einen jeden [so zumindest in meinem Fall] hineinzuversetzen vermag. Oftmals scheint die Lage aussichtslos und so wird man zu Ende der Erzählungen sich selbst und seinen Gedanken überlassen – Terézia Mora bewegt und regt zum Nachdenken an.

Die Einsamkeit eines jeden einzelnen Charakters ist beim Lesen deutlich spürbar und eben dies bewirkt, dass man selbst sich ein bisschen weniger einsam fühlt, sich in der Einsamkeit mit den Protagonisten verbunden fühlt.

Letztlich gab es Geschichten, die mir mehr oder weniger gefielen. Geschichten, die mich mehr oder weniger berührten. Und Geschichten, die mich mehr oder weniger ins Grübeln brachten.

Terézia Mora ist hier ein absolut überzeugendes Gesamtwerk gelungen, das ich auch in Zukunft gerne wieder in die Hand nehmen werde.

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BOOKLESS. WÖRTER DURCHFLUTEN DIE ZEIT. MARAH WOOLF.

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Erschienen: 20/03/17
Verlag: Oetinger
Seitenzahl: 312
ISBN: 978-3841504869
Preis: 8,99€ [D]

INHALT

Sie trägt ein mysteriöses Mal in Form eines Buches am Handgelenk und kann hören, was die Bücher ihr zuflüstern. Als die 17-jährige Lucy ein Praktikum in der Londoner Nationalbibliothek beginnt, entdeckt sie Bücher, deren Texte verschwunden sind und an die sich niemand mehr zu erinnern scheint. Als die Bücher sie immer eindringlicher um Hilfe bitten, versucht Lucy dem Geheimnis auf die Spur zu kommen. Und Nathan, von dem sich Lucy unwiderstehlich angezogen fühlt, scheint darin verwickelt zu sein.

Quelle: Oetinger

MEINUNG

Mit Bookless trifft Marah Woolf Buchliebhaber ins Herz. Denn was gibt es für uns Leser schließlich schöneres als ein Buch über Bücher?

Der Einstieg in das Buch fällt leicht, man fällt quasi wie Alice in das Kaninchenloch und taucht ein in eine magische Welt voller Wunder. Schon nach den ersten Seiten häufen sich die merkwürdigen Zufälle und Ereignisse und direkt beginnt man sich zu fragen, was es mit Lucy und den Büchern auf sich hat.

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Der Schreibstil ist angenehm zurückhaltend, sodass man als Leser völlig in der Geschichte aufgeht. Es wird mit Perspektivwechseln gespielt, was mich zeitweise etwas aus dem Konzept brachte [die Wechsel finden innerhalb der einzelnen Kapitel statt und werden hier lediglich durch Abschnittsumbrüche gekennzeichnet]. Dennoch empfinde ich wechselnde Perspektiven immer als sehr hilfreich, um einzelne Charaktere besser kennenzulernen und einen Gesamtüberblick über die Geschichte zu erhalten.

Die Protagonisten des Buches (darunter nicht nur Lucy und Nathan) waren mir auf Anhieb sympathisch, auch wenn es ihnen teilweise etwas an Lebendigkeit mangelte. Da die Reihe allerdings nicht bei Band 1 endet, bin ich nun umso gespannter auf die Charakterentwicklung in den Folgebänden.

Bookless – Wörter durchfluten die Zeit ist ein gelungener Reihenauftakt, der Lust auf mehr macht. Die Reihe (wobei ich bisher nur für Band 1 sprechen kann) möchte ich besonders jüngeren Lesern ans Herz legen.

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SCORCHED. JENNIFER L. ARMENTROUT.

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INFOS

Erschienen: 03/04/17
Verlag: Piper
Seitenzahl: 304
ISBN: 978-3492310277
Preis: 9,99€ [D]

INHALT

Wenn Andrea auf Tanner trifft ist der Ärger vorprogrammiert. Nicht eine Minute halten es die beiden im selben Raum aus ohne sich zu kabbeln.

Für einen gemeinsamen Sommerurlaub mit ihren Freunden Sydney und Kyler begraben die beiden Streithähne das Kriegsbeil jedoch vorerst. Schließlich wünschen sich alle vier nichts sehnlicher als eine Auszeit vom Alltag.

Doch auch in der Hütte in West Virginia will nicht so recht der Frieden einkehren. Denn Andrea hat Probleme von denen Tanner nichts ahnt. Und schließlich wird aus Spaß bitterer Ernst.

MEINUNG

Obwohl es bereits eine Weile her ist, dass ich den ersten Band gelesen habe, fiel mir der Einstieg in die Fortsetzung von Frigid angenehm leicht. Andrea und Tanner waren bei mir inzwischen etwas in Vergessenheit geraten (im ersten Teil lag das Hauptaugenmerk schließlich auf Sydney und Kyler) und so war ich nach dem Lesen des Klappentextes umso gespannter die beiden Freunde der Protagonisten aus Band 1 kennenzulernen.

Das Buch lässt sich gut in einem Zug durchlesen, Jennifer L. Armentrouts Schreibstil ist wie gewohnt locker, leicht und lässt die im Buch behandelte Thematik weniger schwer wiegen. In einem anderen Genre hätte mich der Umgang mit der Thematik vielleicht gestört, von einem New Adult Roman erwarte ich es jedoch, dass er eine gewisse Leichtigkeit transportiert. Dass das behandelte Thema in der Kürze des Buches nicht voll ausgeschöpft und von allen Seiten beleuchtet werden kann versteht sich von selbst. Um nicht zu spoilern, möchte ich an dieser Stelle nicht weiter auf die Inhalte eingehen.

Wie schon bei Sydney und Kyler, fand ich auch zu Andrea und Tanner schnell einen Zugang – die wechselnden Perspektiven trugen ihren Teil dazu bei. Bedingt durch die charakterstarken Protagonisten empfand ich Scorched als ein wenig unterhaltsamer als Frigid. Zwischen Andrea und Tanner entsteht kein ewig langes Hin und Her, was sich wohl vor allem durch Tannners Selbstbewusstsein bedingt. Noch dazu sind beide nicht auf den Mund gefallen, sodass mich einige Passagen doch ganz schön zum Schmunzeln brachten. Letztlich hat mir der gesamte Plot mehr zugesagt und scheint darüber hinaus realistischer als die Vorkommnisse in Band 1.

Wer eine leichte Lektüre für nebenher erwartet, ist bei diesem Buch/dieser Reihe gut aufgehoben. Den ersten Band muss man für das Verständnis des zweiten Bandes nicht unbedingt lesen. Wer die ganze Reihe lesen will, der sollte dennoch mit Band 1 einsteigen. Schließlich besteht die Chronologie auch hier nicht ohne Grund.

Rezension: Frigid

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WIEDERSEHEN MIT BRIDESHEAD. EVELYN WAUGH.

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INFOS

Erschienen: 18/01/17
Verlag: Diogenes
Seitenzahl: 544
ISBN: 978-3-257-24319-2
Preis: 14,00€ [D],  sFr 19.00* [CH]

ZUM AUTOR

Evelyn Waugh, geboren 1903 in Hampstead, brach sein Geschichtsstudium in Oxford ab, um sich zum Maler ausbilden zu lassen. 1930 konvertierte er zum Katholizismus. Er war Lehrer, Reporter und Kunsttischler, bis er in der Schriftstellerei sein Metier fand und zu einem der wichtigsten englischen Autoren des 20. Jahrhunderts wurde. Im Krieg diente Waugh als Offizier. Waugh, der seit seiner Studentenzeit seine Neigung zu dandyhafter Extravaganz pflegte, liebte es, das Publikum durch kontroverse Äußerungen zu provozieren. Er starb 1966 in Taunton (Somerset).

Quelle: Diogenes

INHALT

Als Charles Ryder während seiner Studienzeit in Oxford Lord Sebastian Flythe begegnet, ist es um ihn geschehen. Sebastian, Sohn einer katholischen Adelsfamilie, fühlt sich jedoch alles andere als vom Schicksal gesegnet. Denn, schließlich ist nicht alles Gold was glänzt. Und so vermag es selbst der schöne Schein nicht die Fassade der Flytes auf Dauer aufrecht zu erhalten.

Jahre später wird Charles erneut auf seine Vergangenheit gestoßen und entschließt sich dazu einstige Erinnerungen zu teilen.

MEINUNG

In seinem autobiographisch geprägten Roman Wiedersehen mit Brideshead schildert Evelyn Waugh den (langsamen aber sicheren) Untergang einer aristokratischen Familie. Besonders gut liest sich das Buch nach der Lektüre der Biographie des Autors, was jedoch nicht bedeutet, dass man diese zuvor zwangsläufig gelesen haben muss.

Die Ereignisse werden aus der Perspektive von Charles Ryder wiedergegeben, der während des 2. Weltkrieges in Brideshead Quartier einnimmt und dort auf ein bewegtes Leben zurückblickt.

Ausschlaggebend für die Niederschrift der heiligen und profanen Erinnerungen des Captain Charles Ryder ist die Bekanntschaft mit einem außergewöhnlichen Studienkollegen (Lord Sebastian Flyte), dessen Charme Charles sogleich erliegt. Sebastians Familie behandelt Charles wie einen der ihren. Er wird in familiäre Geheimnisse eingeweiht und in gemeinsame Aktivitäten miteinbezogen. So kommt es schließlich dazu, dass Charles den Zerfall der Familie Marchmain über Jahre hautnah mitverfolgt.

Nachdem Wiedersehen mit Brideshead 1945 erstmalig in einer deutschen Fassung veröffentlicht wurde, war es nun an der Zeit die ursprüngliche Übersetzung zu überarbeiten. Dies ist Pociao wunderbar gelungen – der Roman liest sich flüssig und macht darüber hinaus wahnsinnig Freude. Die Sprache strotzt vor klugem Witz und (Selbst-)Ironie, sodass die Tragik des Geschehens erträglich wird. Evelyn Waugh lehrt uns einiges über das Leben, ohne dabei in Zeigefinger-Didaktik zu verfallen.

Ein informatives Nachwort von Daniel Kampa rundet das literarische Meisterwerk ab. Wiedersehen mit Brideshead ist ein Buch, das jeder gelesen haben sollte (nicht ohne Grund wurde der Stoff für eine TV-Serie, ebenso wie für das Kino verfilmt). Ob in der originalen Fassung oder in Form der Übersetzung von Pociao bleibt jedem selbst überlassen.

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